7. Münchner Klinik Seminar 8. u.
9. Feb. 2006
30 % Krankenhäuser zuviel?
-
Innovatives Management und Qualitätsbewusstsein machen den
Unterschied
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Quintessenz aus zwei interessanten
Tagen des Informationsaustausches und der aktiven Diskussion
auf dem 7. Münchner Klinikseminar am 8. und 9.Februar 2006
war, dass sich mittlerweile aus dem einst sozialen Gesundheitswesen
mit dem Vorhalten von enormen stationären Kapazitäten
eine Gesundheitswirtschaft entwickelt hat, in der die zahlenden
Marktteilnehmer, die Krankenkassen, weder bereit noch in der
Lage sind, diese vorgehaltenen Kapazitäten weiter zu finanzieren.
Konsequenterweise standen im Mittelpunkt der Diskussionen stets
Konzepte und Ergebnisberichte von restrukturierenden Maßnahmen
mit entsprechenden Auswirkungen auf die vorgehaltenen Kapazitäten
und die Beschäftigung.
Als Konsequenz der fortschreitenden Entwicklung einer Gesundheitswirtschaft
wurden die folgenden 10 Eckpunkte erkannt, die neue Gestaltungschancen
für die Marktteilnehmer der Gesundheitswirtschaft bieten.
- Zunahme des Wettbewerbs:
Hauptverantwortlicher Eckpunkt für das Aufbrechen bestehender
Strukturen, verbunden mit der Chance, flexiblere Konzepte aufzubauen,
mehr Kunden-/Patientenbindung zu betreiben, Leistungsschwerpunkte
zu fixieren und neue Ideen umzusetzen, wie z.B. die Öffnung
der Krankenhäuser für den teilstationären Bereich
oder die Überführung einzelner Leistungszentren in
die Privatisierung.
Allerdings bedeutet die Zunahme des Wettbewerbs auch, dass Verharrungsverhalten
und das Einnehmen von Wartepositionen die unmittelbare Gefahr
des Marktaustritts bewirken.
Letztendlich geht der Trend der Zunahme des Wettbewerbs eindeutig
und dynamisch in Richtung zwingender Erhöhung der Effizienz
in allen Bereichen, sowohl in der Logistik - als auch vor allem
in den Personalstrukturen.
Die Suche nach Alleinstellungsmerkmalen führt bei den stationären
Einrichtungen zu erhöhten Marketing-Aktivitäten bis
hin zum Aufbau der eigenen Marke; auf allen Ebenen Chancen für
neue Zusammenarbeitsmodelle mit Handel und Industrie.
- Zunahme der Transparenz:
Nicht nur das neue DRG-Vergütungssystem mit der notwendigen
Dokumentation ist hierfür verantwortlich, sondern auch die
damit einhergehenden Qualitätssicherungsmaßnahmen.
Transparenz schafft Klarheit und größere Offenheit
im Umgang miteinander und bietet zusätzlich auch die Chance
für alle Marktteilnehmer, sich zu vergleichen und sich mit
gezielten Maßnahmen abzusetzen von den anderen.
In jedem Fall sollte es gelingen, schon allein über diesen
Eckpunkt eine größere Patientensicherheit zu erreichen,
quasi als Mindestvoraussetzung für die Leistungsanbieter,
auch zukünftig noch in der Gesundheitswirtschaft dabei zu
sein.
- Die neue Welt des Patienten-Konsils
Die konsequente Weiterführung des vorherigen Punktes bezüglich
transparenter Qualitätsberichte als weitere Kern-Diskussionsbasis
mit den Kostenträgern führt dazu, dass die Krankenversicherer
von sich aus noch verstärkter die Patientenströme beeinflussen
werden, indem sie in der ersten Stufe ihre Patienten beraten
(siehe AOK-Konsil) über die Leistungskataloge und die öffentlichen
Leistungs-/Qualitätsstatistiken stationärer Zentren,
so dass die Patienten vergleichen und leichter entscheiden können.
Jedes stationäre Zentrum kann nur daran interessiert sein,
in diesen "Konsils" positiv erwähnt zu werden;
ein weiterer Ansatzpunkt für Handel und Industrie; ihre
Kunden mit fortschrittlicher Technologie und Dienstleistungen
hierbei zu unterstützen.
- Bezahlt wird für Leistung
und nicht mehr für das Vorhalten von Kapazitäten,
wie z.B. stationäre Betten.
Das führt in Hessen bereits dazu, dass stationäre Einrichtungen
nicht mehr die Pauschalförderung nach Bettenschlüssel,
sondern nach einem neuerlichen Leistungsprinzip erhalten.
Die Leistung in den Mittelpunkt zu stellen und die Bezahlung
darauf zu fokussieren, kann nur ein Gewinn für alle Marktteilnehmer
bedeuten.
- Teilstationär, ambulant,
integriert versorgt
-
Die stationären Einrichtungen gehen neue Wege und suchen
erweiterte, neue Ertragsmöglichkeiten.
Hier bieten sich Chancen für neue übergreifende Konzepte
und Partnerschaften, auch bei der Gestellung und Versorgung mit
Medizinprodukten für neue Medizinische Versorgungszentren.
- Sind Innovationen bezahlbar?
Ein nach wie vor nicht zufrieden stellend gelöster Dauerbrenner
und wesentlicher Erfolgsfaktor einer modernen Gesundheitswirtschaft.
Zwar ermöglicht das Aufbrechen der starren DRG-Struktur
mit Hilfe von Innovationsentgelten erste Schritte in die richtige
Richtung, dennoch sind die Wege für das rasche Implementieren
von Verfahren und Produkten des medizinischen Fortschritts noch
zu komplex und zeitraubend. Den medizinischen Zentren, die es
dennoch schaffen oder bewusst das unternehmerische Risiko eingehen,
z.T. in Form von partnerschaftlichen Modellen mit Handel und
Industrie, schon frühzeitig auf innovative Medizintechnologie
zu setzen, wird ein Vorsprung beim Aufbau einer eigenen Marke
gewiss sein.
- Centers of Excellence bilden
sich heraus
Es ist geradezu die logische Konsequenz aus allen vorherigen
Eckpunkten, dass sich jedes stationäre Zentrum um den Auf-
und Ausbau von Schwerpunkt-Leistungsangeboten kümmert.
Dieser verstärkte Ausbau von Kompetenzzentren bietet Handel
und Industrie die Chance, von Anfang an dabei zu sein und diesen
Trend aktiv zu unterstützen.
Das Jahr 2006 markiert hierzu den Wendepunkt, da das DRG-System
ab diesem Jahr Mehrleistungen bereits zu 50 % bezahlt; Tendenz
steigend in den kommenden Jahren.
- Trend zur Monistik:
Im Prinzip nichts Neues, dennoch ist die Art und Weise, wie das
geschieht, bemerkenswert.
Die Länder ziehen sich nämlich möglichst leise
aus ihrer Verantwortung zurück und bleiben ihren Beitrag
am noch offiziell existierenden dualen System schuldig.
Dem Einstieg von Handel und Industrie, hier gemeinsam mit den
Kosten- und Leistungsträgern partnerschaftliche Konzepte
und Modellvorhaben zu entwickeln und als Pilotmodelle zu unterstützen,
sind quasi alle Türen geöffnet.
- Partner gesucht:
Gesundheitswirtschaft ist nicht nur eine neue Definition unseres
ehemaligen Gesundheitswesens, sondern definiert auch die Regeln
des Marktes und die des Zusammenspiels der Marktteilnehmer neu.
Die großen Veränderungen lassen sich am schnellsten
und effektivsten gemeinsam und häufig in neuen Kooperationsmodellen
lösen. Der Kreativität sind da zunächst einmal
keine Grenzen gesetzt, solange der bestimmende Grundsatz der
Partnerschaft, d.h. des jeweils an die Interessen des anderen
Denkens, das Handeln bestimmt.
- The name of the game is "execution"
Die kreativsten Gedanken und die intelligentesten Modelle nützen
nichts, wenn sie nicht implementiert werden.
Hierzu braucht es vor allem Mut und Entschlossenheit, aber auch
Durchsetzungskraft gegenüber zu erwartenden Widerständen.
Nichts Neues, aber doch der schwierigste Eckpunkt.
Wer es mit als erster schafft, der wird in der neuen Ära
der Gesundheitswirtschaft sicher vorn dabei sein und zu den Gestaltern
gehören.
Ansatzpunkte gibt es genügend, so dass Handel und Industrie
ausreichend Betätigungsfelder finden können, die Umsetzung
der vielen Ideen und Konzepte zu unterstützen.
Fazit: 30 % der Krankenhäuser
zu viel? -
Vielleicht nicht der Krankenhäuser, wohl aber der stationären
Betten, so dass deren Abbau konsequent vorangetrieben wird. Dass
zu bedauern wäre aber die falsche Schlussfolgerung, denn
nach wie vor erwarten über 80 Millionen Bundesbürger
mit ihrem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein und ihrer stetig
wachsenden Lebenserwartung die Verfügbarkeit von Beratungs-,
Betreuungs- und Behandlungsleistung für ihre medizinischen
Bedürfnisse; ein zunehmend wachsender, riesiger Markt mit
vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten.
Hamburg, im Februar 2006
Stefan Widensohler
Stv. Vorsitzender des BV Medizintechnologie
(BVMed) e.V., Berlin,
Geschäftsf. Gesellschafter
Firmengruppe Krauth Medical,
Hamburg